Foto: Klaus Blumenstock

„Das ist der Widdersteinstraßen – Blues“
Bericht zu den Aufführungen vom 14.4. + 15.4.2018 in der Sängerhalle

 

Widdersteinstraße – „das schlechtestes Ortszentrum der Stadt Stuttgart!“ Diese traurige Meldung konnte man schon voriges Jahr der Lokalpresse entnehmen. Der Kampf gegen den Ladenleerstand sei mühsam, ein massiver „Trading-down-Effekt“ nicht zu übersehen. Die Fortsetzung des Kampfes mit theatralischen Mitteln konnte man am vergangenen Wochenende in der Untertürkheimer Sängerhalle erleben: Die Untertürkheimer Sopranistin Renate Brosch, im Kulturhausverein  aktiv und in Untertürkheim bekannt für ihre ungewöhnlichen Veranstaltungsideen, hatte das Thema aufgegriffen und eine hinreißende musikalische Komödie  auf die Bühne gebracht, flankiert von der Bühnenbildnerin Marlene Blumenstock, die eine umwerfende Kulisse dazu gemalt hat: die leeren Läden der Widdersteinstraße mit der sarkastisch anmutenden Überschrift „Einkaufsspass".

 

 

 

Den hatten die verbliebenen Anwohnerinnen und Anwohner nach einer imaginierten Schließung des letzten Ladens, respektive die Sängerinnen und Sänger des Gesangstudios Renate Brosch, wahrlich nicht mehr.

 

Dieses Horrorszenario war  die Steilvorlage für eine über zweistündige, äußerst unterhaltsame Bühnenshow. Konsumfrei war  das Motto: Da gab es den verarmten Pianisten Karl-Friedrich Schäfer, der als Akkordeonist seine Tage auf der ausgestorbenen Widdersteinstraße fristet, die eiligen Berufstätigen, die nur noch durch die Straße huschen und achtlos ihre „Coffee-to-go“Becher fallen lassen, da gab es den UHT-Päckchenboten, der die Online-Päckchen über die Bühne schleppt.

 

 

 

Sehr witzig war eine von Petra Fogl angeführte Yogagruppe „Hartz IV-in-Bewegung“, die ihr geliebtes Yogastudio geschlossen vorfindet. Da gab es einen unermüdlichen und vergeblichen Kehrwöchner, einen skurrilen Bauausschuss mit dem waghalsigen Plan, die Widdersteinstraße als „Klein-Venedig“ mit Neckarwasser zu fluten. Eine besonders vorwitzige Schülerin (Frieda Schwenk) provoziert den AfD-Bürgermeister mit einem Song aus Ghana. Transitreisende versuchen vergeblich, im Untertürkheimer Bahnhof einen Aufenthaltsraum zu finden: längst ist Stuttgart 21 nach einer hydrologischen Katastrophe Makulatur und Untertürkheim der neue Hauptbahnhof.

 

Eine reiche Amerikanerin taucht auf, die am Schluss auf offener Straße vom Kehrwöchner ermordet wird, weil sie die ganze Widdersteinstraße an Investoren verkauft hat.  Davor gibt es noch eine Straßendemo, angeführt von Andrea Nicht-Roth, einer Untertürkheimer „Bunt statt Grau“-Aktivistin.

 

Das Feuerwerk an brillant-skurrilen Ideen wird musikalisch kräftig unterfüttert: da gab es alles von Monteverdis subtilem Duett „Interrotte speranze“ über dramatische Szenen aus Mozart-Opern (köstlich und stimmlich sehr potent die drei Damen der Königin der Nacht als die weibliche Bürgerwehr „Widderstein-Witches“ mit Elisabeth Charlotte Nusser, Sabine Hanneforth, Babette Winkelmann) bis hin zu „Boulevard of Broken Dreams“ von Green Day am Schluss als aufgerautem Punk-Song mit Bachtr Ahmad als überzeugendem Solisten.

 

Die Schülerinnen und Schüler von Renate Brosch – obwohl keine professionellen Sänger –  sangen auf hohem Niveau und durchaus mit professionellem Anspruch, wobei die Rollen und sängerischen Anforderungen so maßgeschneidert präsentiert wurden, dass man der erfahrenen Pädagogin ein Kompliment machen muss. Besondere Highlights waren Thilo Ederle als Bürgermeister mit überzeugender Bassbuffo-Stimme, Sophia Marheineke als verwöhntes Wohlstandtöchterchen mit jugendlich klarer Sopranstimme, Astrid Toenniessen als Sopran-Koloratur-Akrobatin, Jürgen Ankele mit romantischem Tenorschmelz, nicht zuletzt Renate Brosch selbst mit Georg Kreislers beißend-satirischem Song „Gelsenkirchen“, der Parallelen aufzeigte zwischen dem 60er-Jahre-Kohlestaubparadies und dem heutigen Feinstaubparadies Stuttgart.

 

Das Duo Ännie & Jogs (als Gast) sorgte zwischendurch für entspannte Swing-Atmosphäre, zu der auf der Bühne die Widdersteintraßen-Anwohner lässig-tanzend chillen konnten, immer wieder gab es einen Blick in die leeren Ladenschaufenster der Kulissen: Konsum, der „moderne Kulturersatz“, den gab es halt nicht mehr. Besonderen Beifall gab es noch für Karl-Friedrich Schäfer, der in seiner Dreifachfunktion als Schauspieler-Akkordeonist-Pianist omnipräsent war.

 

 

 

UZ vom 19.2.2018

 

Stuttgarter Wochenblatt vom 27.12.2017

Neckarvororte - Tauschen, schwatzen, verweilen

 

Die Untertürkheimer Bücherzelle feiert ihren dritten Geburtstag. Initiatoren sind mit bisherigem Verlauf sehr zufrieden.

Über die Zukunft von Untertürkheim wird aktuell auf den unterschiedlichsten Ebenen heiß

 

diskutiert. Begriffe wie Masterplan, neue Neckaranlegestelle oder Leerstand-Bekämpfung flattern

 

nur so durch die Gremien und Diskussionen.

 

Die Untertürkheimer Bücherzelle hat gezeigt, dass Projekte auch ohne großes Tamtam erfolgreich

 

sein können.

 

Seit genau drei Jahren ist die gelbe Telefonzelle im oberen Teil der Widdersteinstraße beheimatet

 

und seit drei Jahren wird sie von den Untertürkheimern genutzt.

 

„Die Bücher werden sehr aktiv gewechselt, fast immer bringt jemand etwas oder sucht sich etwas

 

heraus“, so Andrea Nicht-Roth von der Initiative „Bunt statt grau“, die die

 

Bücherzelle gemeinsam mit Bürgerverein und Kulturverein vor drei Jahren nach Untertürkheim

 

holte.

 

Und auch seinen zweiten Zweck erfüllt das bunte Häuschen: „Es ist ein Treffpunkt für einen

 

kurzen oder auch mal längeren Plausch geworden“, so Nicht-Roth. „Die Leute bleiben stehen und

 

unterhalten sich.“ Der Stadtteil wird belebt und die Menschen tauschen sich aus, zeigen sich die

 

Initiatoren zufrieden. Die Bücherzelle soll gleichzeitig auch Symbol dafür sein, dass man auch mit

 

einfachen Mitteln im Stadtteil etwas bewegen kann –

 

wenn sich möglichst viele daran beteiligen. „Anfangs war natürlich Skepsis da und sorge vor

 

Vandalismus“, sagt Nicht-Roth.

 

Allerdings hat es in den drei Jahren keinen einzigen Vorfall gegeben.

 

Eine kleine Fast-Krise gab es eher von bürokratischer Seite. Der von Immobilienbesitzern im Stadtkern gegründete Verein

 

„Untertürkheim.Mittendrin.“ hat bei seiner Planung für eine Aufwertung des Stadtteils die Bücherzelle nicht beachtet. „Im daraufhin geführten

 

Gespräch, konnten wir jedoch feststellen, dass wir eigentlich alle sehr ähnliche Ziele verfolgen, zu denen die Bücherzelle hervorragend passt“,

 

sagt Nicht-Roth. Die Bücherzelle ist also auch bei möglichen Umbaumaßnahmen nicht mehr gefährdet – und kann weiterhin als Treff- und

 

Tauschpunkt für die Untertürkheimer dienen.

 

 

Mehr Informationen :

mehr zur Bürgerverein Untertürkheim unter www.bw-untertuerkheim.de

und mehr Informationen zum Kulturhausverein unter www.kulturhausverein.com.

 

 

 

 

Untertürkheimer Zeitung 20.12.2017

Umweltbürgermeister

 

Pätzold verleiht Preise für

 

Umwelt- Fotowettbewerb

 

"Naturoasen in Stuttgart"

 

und eröffnet die Ausstellung


www.stuttgart.de  - 24.10.2017 -

Die Entscheidung für die Vergabe der Preise und
Publikumspreise des Umwelt-Fotowettbewerbs
2017 der Landeshauptstadt Stuttgart ist gefallen.
Der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt,
Peter Pätzold, hat am Montag, 23. Oktober, im
Stuttgarter Rathaus die Urkunden an die Preis-
träger überreicht. Die Ausschreibung unter dem
Motto "Naturoasen in Stuttgart" richtete sich an
alle, die in Stuttgart leben, arbeiten oder studieren.
DerFotowettbewerb wird alle zwei Jahre ausge-
schrieben und soll durch die Prämierung der Fotos, die die Schönheit der Naturräume Stuttgarts bewusst machen, zum Umweltschutz motivieren.

 

Das Preisgericht, bestehend aus Gemeinderäten und Vertretern von Naturschutzverbänden sowie der Stadtverwaltung, hatte es bei 139 Einsendungen nicht

 

leicht, die Entscheidungen zu treffen. Beeindruckend war vor allem die zum Teil herausragende Qualität und Kreativität der Motivwahl bei den Einsendungen.

 

Den ersten Preis in der Kategorie Erwachsene, dotiert mit 2000 Euro, hat der Fotograf Heiko Hellwig mit der stimmungsvollen Aufnahme eines begrünten

 

Innenhofs in der Alexanderstraße gewonnen. Andreas Bosch setzte mit seinem Foto den Innenhof der Ernst-Abbe Schule in Szene und bekam dafür den zweiten

 

Preis und 1000 Euro. Wie Kinder im Klingenwald das selbst angebaute Gemüse gießen, hat Wolfgang Zaumseil abgelichtet. Der dritte Preis sowie 500 Euro

 

wurden ihm für dieses Bild zuerkannt.

 

 

Anerkennungen und je 250 Euro bekamen M. Staffler für sein Insektenparadies im Vorgarten, H.Claus für die

 

Fassadenbegrünung in der Poststraße und M. Blumenstock für ihren Naherholungsort

 

Garten.

 

Einen Sonderpreis lobte dieses Jahr die Jury mit 250 Euro aus für das Bild einer Topfpflanze auf dem Balkon, inmitten einer dichten Infrastruktur von Markus

 

Friedrich. Bei den Kindern heimste die "Gelbe Schönheit im Gulli" von Lena Marie Walz den ersten Preis mit 500 Euro ein. Sarah Schiemann hat die Kinderoase im

 

Killesbergpark fotografiert und dafür den zweiten Preis und 250 Euro bekommen. Der Teeniekreis, der evangelisch methodistischen Kirche mit ihrem Leiter

 

Johannes Ehrmann, bewarben sich mit einem Foto, das sie im Gras eines Parks liegend zeigt. Sie erhielten den dritten Preis und 150 Euro. Eine Anerkennung

 

sowie 100 Euro gingen an Jasira Schön für das Straßenbegleitgrün gepflanzt von ihren Nachbarn.

 

 

Ergänzend zu der Auswahl des Preisgerichts wurde dieses Jahr wieder über die Stuttgarter Internetseite, Facebook sowie im Amtsblatt ein Publikumspreis

 

ausgelobt. Aus 242 Zusendungen, so vielen wie nie zuvor, wurde der Publikumspreis bestimmt. Dieser Preis mit 250 Euro ging an Wolfgang Zaumseil für das Bild

 

mit den gärtnernden Kindern.

 

Als Dankeschön für das aktuell große Interesse am Umwelt-Fotowettbewerb nach 20-jähriger Laufzeit, gab es ein Stuttgarter Gutsle für alle Teilnehmer.

 

Eine Ausstellung mit allen prämierten Umweltfotos wird im vierten Stock des Rathauses noch bis zum 5. November 2017 gezeigt.

 

Die Gewinner-Fotos finden Sie auch in der Bildergalerie unter www.stuttgart.de/umweltfoto

 

 

 





Der Mitfahrstuhl nach Rotenberg

 

Auszug aus: Gesund älter werden in Untertürkheim

 

Stadtteil -Gesundheitsbericht - Stuttgart - Dezember 2016

5.2.2 Mitfahren und miteinander in Kontakt kommen:

Die Mitfahrbank


von Marlene Blumenstock, Initiative Bunt statt Grau

Die Idee einer „Mitfahr-Bank“, zum Beispiel von

 

Wallmersiedlung zum Ortzentrum und zurück, wurde in

 

der Arbeitsgruppe „Leben und Wohnen in

 

Untertürkheim“ diskutiert.

Die Intention ist: An einer Straße, die ins Ortzentrum

 

führt, wird eine „Mitfahr-Bank“ aufgestellt. Wer ins

 

Zentrum oder in einen Teilort möchte, setzt sich und gibt

 

das Fahrziel auf einer Anzeigetafel bekannt. Vorbei

 

kommende Autofahrer sehen dies, halten an und

 

nehmen den Wartenden mit.

 

Die Mitfahrbank könnte so zu einem

 

Kristallisationspunkt für spontane Fahrgemeinschaften

 

werden und bietet die Möglichkeit, die Zielrichtung

 

vorbeifahrender Autos zu nutzen. Sie könnte ein Modul

 

des Mobilitätskonzeptes für die Außenbezirke sein und

 

das bürgerschaftliche Enga-gement fördern. Und sie

 

schafft Mobilität für ältere Einwohner ohne Auto, denen

 

der Preis für öffentliche Verkehrsmittel zu hoch ist.

Das Angebot soll Bürger, die zu Fuß unterwegs sind, mit Auto-fahrern zusammenbringen, die einen freien Platz in ihrem

 

Auto zur Verfügung stellen können.

Interessant ist das Projekt für die Oberen Neckarvororte, da die SSB es abgelehnt hat, das Angebot des Kurzstreckentickets

 

sinnvoll zu erweitern, und damit die Busverbindungen in den Oberen Neckarvororten attraktiver zu machen. Durch die

 

Mitfahrbank soll es möglich werden, die Infrastruktur der einzelnen Ortsteile zu nutzen: Bahnhof, Ärzte, Einkaufen, kulturelle

 

Angebote, kirchliche und soziale Angebote. Durch die Richtungsanzeige kann die Mitnahme ohne komplizierte Absprachen

 

und ohne längere Aufenthalte für den Autofahrer funktionieren und die Mobilität autoloser Mitbürger verbessern.

Die Mitfahrbank kann aber auch als Ruhepunkt genutzt werden, dies zeigt dann ein neutrales Schild an. Die Einrichtung einer

 

solchen Bank ist einfach zu machen, kostet nicht viel und wäre den Versuch wert. Die Idee ist nicht neu und auch schon

 

erprobt: Mehrere gut funktionierende Beispiele dafür gibt es bereits im Remstal und anderen Ortschaften.

 

Foto:Enslin

 

 

 

 

 

 

 

5.9.2017 -

UNTERTüRKHEIMER ZEITUNG

 

Ein Baum voller Flaschen

Untertürkheim: Projekt gegen Müll auf Karl-Benz-Platz (mk) – Die Rabatten mit den blühendenPflanzen gehören für die

 

Passanten, die über den Karl-Benz-Platz laufen, zum gewohnten Bild. Seit einigen Wochen staunen sie allerdings über

 

eine andere, besondere „Pflanze“. In der Nähe der Stadtbahnhaltestelle der Linie 13 steht ein Flaschenbaum. Die 

 

Aktiven der Initiative „Bunt statt Grau“ haben die leeren Flachmänner und größeren Flaschen, die in den von ihnen

 

gepflegten Beeten liegen, an einen Baum gehängt – ein Mobile, das zum Nachdenken anregen soll. „Der Flaschenbaum

 

ist aus dem Frust entstanden, dass Woche für Woche zwischen 15 und 50 Schnapsflaschen in den Beeten liegen“, sagt

 

Sabine Reichert, eine Aktive der Initiative „Bunt statt grau“. Es war eine spontane Idee. „Eines Tages hatten wir keine Lust

 

mehr, den Mist einzusammeln und zu entsorgen, sondern haben uns entschlossen, diesen Teil des Reifengartens

 

sichtbar zu machen, eine Art soziale Plastik also.“ Ein weiterer Farbfleck auf dem tristen Platz. Vor zwei Jahren haben

 

sich einige Ehrenamtliche aus Untertürkheim Gedanken gemacht, wie sie den Verkehrsknotenpunkt freundlicher

 

gestalten könnten. Der Gedanke vom Urban Gardening, dem Gärtnern in der Stadt, wurde geboren. Wieso nicht

 

Pflanzen auf der ungenutzten Fläche in der Nähe der Stadtbahnhaltestelle der Linie 13 aufstellen?  Mit wenigen Mitteln

 

wollten die Ehrenamtlichen Stadtgärtner einiges erreichen. Sie benötigten nur große LKW-Autoreifen, Erde, Pflanzen

 

und vor allem: die Genehmigung der Stadtverwaltung. Die erhielten sie. Die Autoreifen stiftete ein lokales Autohaus, das

 

Einpflanzen und die regelmäßige Pflege der Beete übernimmt ein Kreis von Untertürkheimern. „Zur Zeit treffen wir uns

 

jeden Freitagmorgen um 8 Uhr auf dem Karl-Benz-Platz, um in kleiner geselliger Runde eine bis eineinhalb Stunden

 

lang  Gartenarbeiten zu erledigen und den Flaschenbaum wachsen zu lassen“, erzählt Reichert.

 

Die Initiative würde weitere Mitwirkende und Menschen mit grünen Daumen und Ideen herzlich begrüßen. „Wir würden

 

uns auch über Zuwachs in unserem Pflegeteam freuen“, sagt Reichert. Im Übrigen habe der Flaschenbaum wohl schon

 

eine erzieherische Wirkung. Die Flachmänner liegen nicht mehr wahllos verstreut, sondern einige wurden jetzt

 

„ordentlich“ unter den Flaschenbaum gelegt, erzählt Reichert. Gleichzeitig regt das „Kunstwerk“ zu Diskussionen an.

 

Sowohl an der Haltestelle als auch in den Sozialen Medien debattieren Passanten beziehungsweise Nutzer über die

 

Skulptur als ein Spiegel für die Alkoholprobleme in unserer Gesellschaft.

 

Dabei wird der Flaschenbaum nach einer gewissen Zeit, wenn er zu voll hängt, „abgeerntet“. Die Schnaps und anderen

 

Flaschen werden entsorgt und das aufsammeln und neu gestalten mit den Überbleibseln aus den Beeten beginnt von

 

neuem – oft nach zwei oder drei Wochen. Wer Interesse an der Mitarbeit hat, kann sich unter buntstattgrau@gmx.de 

 

bei der Initiative melden oder freitags um 8 Uhr vorbeikommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Stuttgarter Zeitung - Serie Endstationen: Untertürkheim 

Ein „Schandfleck“, der zum Verweilen einlädt

 

 

Von Nora Chin 15. August 2017 - 10:51 Uhr

 

 

Die Stadtbahnlinie U4 endet am Karl-Benz-Platz in Untertürkheim – ein Ort, der als einer der Müll-Hotspot in Stuttgart

 

gilt.  Wir haben uns an diesem stark frequentierten Ort umgesehen.

 

 

Stuttgart - Ungewohnt wenig los ist an diesem schwülen Tag im August am Karl-Benz-Platz in Stuttgart-Untertürkheim. Die gelb, rot und

 

orange angestrichenen Sitzbänke sind verwaist, nur eine Handvoll Menschen wartet am Bahnsteig auf die nächste Stadtbahn; vereinzelt

 

überqueren  Passanten den Wilhelm-Wunder-Steg, der sich in nahezu alle Himmelsrichtungen über den Platz spannt. Es sind

 

Sommerferien. Und das fällt sofort auf beim Aussteigen aus der Stadtbahn an der Endhaltestelle der Linie U4, die direkt an den Platz

 

grenzt.

 

 

Denn eigentlich ist man hier an einem der meist frequentierten Orte in Untertürkheim angekommen: Der Karl-Benz-Platz direkt am 

 

Untertürkheimer Bahnhof ist der Verkehrsknotenpunkt im Stadtbezirk am östlichen Rand Stuttgarts. Hier verkehren die Stadtbahnen U4

 

und U13, die S-Bahn-Linie 1, die Busse der Linie 60 und 61 sowie die R1, bekannt als „Schusterbahn“.

 

 

Direkt an der stark befahrenen Benzstraße gelegen ist der zentrale Platz ein Über- und Durchgang für jene, die zum Daimlerwerk, zu den 

 

Haltestellen, zum Inselbad oder zum Ruderclub müssen, die aus dem Zentrum oder dem Lindenschulviertel kommen. Kaum ist

 

Mittagspause in den Schulen angesagt, strömen die Kinder und Jugendlichen in Richtung Stadtkern – entweder auf dem Weg nach Hause

 

oder um sich einen  Snack zu besorgen. Was allen gemein ist: sie kreuzen den Karl-Benz-Platz. Hier ist es dementsprechend laut und

 

oftmals dreckig.

 

Nicht immer geht es hier friedlich zu

 

 

Vor allem an Tagen, an denen der VfB Stuttgart ein Heimspiel hat, kann es hier richtig zur Sache gehen. Dann steigen Scharen von Fußball-

 

Fans aus den Bussen und Bahnen, gönnen sich noch das ein oder andere Bier im Bistro „Drehscheibe“, am gegenüberliegenden Kiosk

 

oder in der  nahegelegenen VfB-Kneipe „Zum Vogel“, um dann zu Fuß zur etwa zwei Kilometer entfernten Mercedes-Benz-Arena zu

 

pilgern. Und nicht  immer geht es friedlich zu. Vor dem Derby der Roten gegen den Karlsruher SC im April dieses Jahres etwa war der Karl-

 

Benz-Platz fest in der Hand der blau-weißen Gäste, die dort Feuerwerkskörper abbrannten.

 

Der zentrale Platz gilt als einer der Müll-Hotspots in Stuttgart. Davon zeugen auch die Schilder, die an den Mülleimern angebracht wurden.

 

„Bin für jeden Dreck zu haben“ steht hier geschrieben.

 

Oder: „Gib meinem Hängen einen Sinn“. Die drei Herren von der Abfallwirtschaft in Stuttgart sind an diesem Vormittag in den

 

Sommerferien jedoch schnell fertig mit ihrem Geschäft. Mit Zangen picken sie hier und da Abfall von der Grünfläche und den

 

gepflasterten Wegen auf, nach wenigen Minuten sind die Herren in Orange wieder verschwunden.

 

 

Wenige Meter davon entfernt, am Bahnsteig der U4, sitzt eine ältere Dame im hellblauen Kostüm. Sie sei mit der Buslinie 60 aus Fellbach

 

gekommen, erzählt sie. Nun warte sie auf die Stadtbahn Richtung Neckartor, die sie nach Ostheim zum Arzt bringen soll. Zwei Bahnen

 

lässt sie verstreichen. Sie habe noch etwas Zeit und wolle lieber hier als in der Praxis warten, erklärt sie.

 

Urban Gardening Mitten in Untertürkheim

 

Dass der Platz rund um die Haltestellen durchaus auch zum Verweilen einlädt, dafür sorgt die Gestaltung, für die sich eine Bürgerinitiative

 

verantwortlich zeigt. Vor einiger Zeit haben die Untertürkheimer hier die Sitzbänke bunt bemalt und einen Reifengarten angelegt: In 25

 

Lkw-Reifen wurden Sonnenblumen, Lavendel, Stiefmütterchen, Tomaten und vieles mehr gepflanzt – Urban Gardening Mitten in

 

Untertürkheim.

 

Seither wächst, grünt und blüht es an diesem Dreh- und Angelpunkt in Untertürkheim, den der ein oder andere schon als „Schandfleck“

 

bezeichnet hat. Und prompt stürmen die Menschen nicht nur einfach über den Platz zur Arbeit, Bahn oder nach Hause, sondern bleiben

 

stehen oder setzen sich – und genießen unter anderem den schönen Blick auf den Württemberg mit seiner Grabkapelle, den man von der

 

ein oder anderen Stellen aus erhaschen kann.